Höllencampteilnehmer ziehen sich gegenseitig eine Wand hoch

Das Höllencamp – Teil 1

Ich schlage die Augen auf und schaue mich in meinem Hotelzimmer des Hotels Hüttenmühle in Hillscheid um. Es ist Sonntag, 11:00 Uhr. Ein sonniger Tag. Ich habe ein unglaubliches Wochenende hinter mir, bin im wahrsten Sinne des Wortes durch die Hölle gegangen. So schwer hatte ich mir mein Höllencamp-Abenteuer selbst in meinen kühnsten Träumen nicht vorgestellt. Seit Freitag bin ich hier und muss sagen, ich habe eine der größten Herausforderungen meines Lebens überlebt. Das “Höllencamp” ist eine Extremsport-Adventure Veranstaltung, die letztes Jahr zum ersten Mal bei ProSieben MAXX lief. “Taff Mudder” ist ein Kindergarten dagegen. Die Sendung hatte für viel Aufsehen und für scharfe Diskussionen gesorgt. Idee ist authentisches Militärtraining, in dem drei Ausbilder der Bundeswehr die Teilnehmer durch härteste Drillsituationen aus dem Soldatentraining zwingen.

In diesem Jahr wurde das Höllencamp wieder von Sven Flosse veranstaltet. Seine “X-Treme Survival & Adventure” lernen den Teilnehmern das Fürchten. Er bringt viel Erfahrung für solche extrem-sportlichen Adventure-Veranstaltungen mit. Zielgruppe sind Leistungssportler oder extrem gut trainierte Amateursportler, die mal an und über ihre eigenen Grenzen gehen und damit das Maximum an sportlicher, körperlicher und mentaler Leistung aus sich herausholen wollen.

 

Eines der härtesten Adventure-Trainings der Welt

Ja, das ist Sven und seinem Team gelungen, zumindest bei mir, und ich weiß, auch die anderen Teilnehmer mussten kämpfen. Es war krass. Dabei bin ich extreme Leistungssportlerin. Sport ist mein Leben. Mein Trainingspensum liegt bei drei Stunden pro Tag. Ausdauer. Kraft. Flexibilität. Jeden Tag. Damit meine ich nicht die Zeit, die ich als Personaltrainer mit meinen Kunden arbeite, sondern diese drei Stunden gehören nur mir. Ich mache Bergläufe, Krafttraining, Kampfsport. Als ich mich vor ein paar Wochen angemeldet habe, dachte ich, ich brauche etwas oder jemanden, der mich an und über meine Grenzen bringt, meine physische und mentale Stärke herausfordert, mir zeigt, wer und wie stark ich bin. Im Alltag gibt es solche Möglichkeiten nicht. Als ich hierherkam, war ich gut vorbereitet: Ich hatte mein tägliches Training auf vier Stunden erhöht und habe die Intensität noch mal ein paar Gänge höher geschaltet. Ich wusste, dass ich extrem stark bin, aber diese Jungs haben es geschafft, mich mental und physisch weit, weit, weit über meine Grenzen zu bringen. Es gab den Moment des Aufgeben-wollens, den Augenblick, in dem mein Körper und mein Geist mich anschrie: “Ich schaffe es nicht mehr. Nichts geht mehr. Barbora, hör endlich auf!”

Wenn du nicht mehr kannst, kommst du bei dir selbst an

Genau das ist das Ziel dieses Höllencamps: Sie bringen dich so weit, dass Körper und Geist zu diesem einen Punkt kommen, an dem Du nichts mehr denken, nichts mehr fühlen und nicht mehr reagieren kannst außer: “Schluss jetzt. Ich gebe auf. Ich kann nicht mehr.” Du bist so fertig, dass der Körper umkippt, willenlos wird, und du nicht mal mehr den Fuß hochheben kannst.” Ich habe so etwas in meinem Leben noch nie erlebt, aber genau darum wollte ich das Höllencamp machen. Um diese Erfahrung zu erleben, mich so intensiv zu spüren. Wenn du mental über diese Grenze kommst, suchst du dich, das innerste Innern deines Selbst, den Kern, die Essenz. Und du findest dich. Wenn der Körper nicht mehr kann, seine Leistung versagt, wenn der Geist nicht mehr kann und seine Leistung verweigert, hast Du noch 40% Reserve in dir. Wenn du es schaffst, sie abzurufen. Sie anzunehmen. Und eben nicht aufgibst. Diesen Moment können wir im Alltag nicht erleben. Ich bin hierhergekommen, um zu spüren, was hinter dem “nicht mehr können” steckt und ob ich es schaffe, dass mit meiner mentalen Stärke zu überwinden.

 

Schon die Ankunft war eine Herausforderung

Es verlief so: Wir trafen uns am 4.04.2019, das war ein Freitag, um 17:00 Uhr. Ich bin mit dem eigenen Auto von München angereist und hatte fünf Stunden Fahrt hinter mir. Für mich eine Herausforderung, denn fünf Stunden still sitzen ist der Horror für mich. Es wusste keiner von uns, was ihn vor Ort wirklich erwarten sollte; wir hatten im Vorfeld kaum Informationen bekommen. In meiner Vorstellung hatte ich ein Bild von Zelt, Schlafsack, Wald, Feuer am Abend. Draußen sein. Abenteuer Natur unter härtesten Bedingungen.

Was ich mitgenommen hatte, konnte ich direkt vergessen. Ein militärischer Befehlston schlug mir entgegen. Alles wurde uns weggenommen. Wir durften nur einen Rucksack, ein Paar Socken und etwas Warmes zum Überziehen, also Jacke oder Hoodie mitnehmen. Keine zweite Hose, keine zweites Paar Schuhe, kein Essen. Nichts. Absolut nichts. Nur das, was ich anhatte, Schuhe, Hose, Oberteil, den Rucksack mit einer Jacke und Socken. Also entschied ich mich für höhere, knöchelfeste Dr. Martens Schuhe, eine Tarnhose, wie sie die Soldaten tragen, einfaches T-Shirt und den Hoodie, den ich anhatte. Frieren wollte ich in der Nacht nicht. So bin ich mit den anderen zum Empfang gegangen. Sven Flosse, der Leiter, hatte drei Helfer, plus einen Mediziner. Der war wichtig, was ich zu dem Zeitpunkt allerdings nur ahnte. Das, was wir machen sollten, war gefährlich und es brauchte jemanden, der uns von der medizinischen Seite her betreute.

Jeder Sportler kennt seinen Körper. Wir alle waren uns der Gefahr bewusst, in die wir uns begeben. Jeder trug selbst Verantwortung für sich und sein Leben. Gott sei Dank ist nichts Dramatisches passiert. Wir sind alle zurück nach Hause gekommen. Am Empfang bekamen wir einen Overall und eine Wasserflasche. Unser Gepäck in den nächsten 36 Stunden war das, was wir anhatten, extra Socken, Hoodie und eine Wasserflasche. Außerdem Helm und eine ballistische, schusssichere Weste. Die mussten wir immer tragen.

Zuerst haben wir das Gelände erkundet, wurden dabei die ganze Zeit mit hartem militärischen Ton begleitet. Wir durften nicht untereinander reden, mussten sofort die Befehle befolgen. Für jedes Brechen der Regel wurden wir bestraft. Eine physische Strafe war: 15 Liegestützen, mit Gepäck, mit schwerer Weste. Die mentalen sollten wir erst später kennenlernen. Wir haben die militärischen Grundformen des Marschierens gelernt, linksrum, rechtsrum, ganz rumdrehen und mussten uns alle gleichzeitig bewegen. Im Marschschritt, zack, zack. Wehe, du hast dich falsch oder zu langsam bewegt hast. Wir haben also das Gelände kennengelernt, die Paintball-Fabrik in Nassau, Montabaur. Da ist ein großes altes Fabrikgelände, in der man viel machen kann. Für uns wurde ein Lager mit einem großen Feuer angerichtet. Das war ein riesiges Zelt, das Feuer in der Mitte. Drum herum sollten wir schlafen. Es gab keine Schlafsäcke, keine ISO-Matten, gar nichts. Nur eine Plane, etwas Stroh, harter Boden.

Wir mussten schnellstens lernen, uns in der Natur zurecht zu finden, Holz zu sammeln, Feuer zu machen, alles, was man braucht, um zu überleben. Wir wurden in die Situation versetzt, wenn ein Soldat im Krieg ausgesetzt wird, sich 36 Stunden zurechtfinden, mit verschiedenen Angriffen von Gegnern rechnen und sich verteidigen muss. Ziel ist Kameradschaft und im Team zu funktionieren. Jeder einzeln für sich und alle gemeinsam im Team. Das klappte schnell: Wir ließen keinen zurück, halfen uns gegenseitig nach dem Grundsatz, die Starken helfen den Schwachen, egal was ist.

Dann begann der Drill…….

Wie es weitergeht, kannst du in Kürze im nächsten Blog lesen.

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