Teilnehmer des Höllencamps kriechen im Schlamm

Das Höllencamp – Teil 3

Es blieb uns nichts anderes übrig, als weiterzumachen

Den Parcour ein zweites Mal als Team zu machen, ging über die Grenzen eines jeden von uns. Auch über meine. Wenn wir glaubten, die ersten Stunden im Höllencamp seien anstrengend gewesen, mussten wir feststellen, dass es jetzt erst richtig losging. Vor uns lagen Steine. Große Steine. Die sollten wir den Berg rauf und wieder runtertragen. Danach im Dreck liegen, unzählige Liegestütze, Klammerseil und Übungen machen, wie es sie nur bei Militär in der härtesten Staffel kennt. Mein Körper war so erschöpft, aber das interessierte keinen. Wir mussten weitermachen.
Wir hatten morgens etwas zu Essen bekommen – jeder eine überschaubare Portion von vier niedlichen, kleinen Keksen pro Person. Dazu gab es einen Klecks Marmelade, auch überschaubar. Ja, das war das gesamte Essen. Zu Mittag? Gab es nichts. Nach den Parcours sind wir erschöpft ins Lagerzelt getaumelt, haben versucht, unsere Sachen zu trocknen, sind erschöpft auf dem Boden gefallen, um uns etwas auszuruhen, bevor uns der schrille Ton wieder zum Marsch herbeipfiff. Dann noch einmal marschieren. Ganze vier Stunden lang, wieder mit dem schweren Baumstamm auf den Schultern. Er war so verdammt schwer, dass wir es nur gemeinsam schafften. Wir schleppten ihn bergauf, und wieder bergab. Dann ging es in den Wald, Baum ablegen, ab ins eiskalte Wasser. Das gab den meisten von uns den Rest.

Das Schlimmste ist das Wasser

Die Kälte des Wassers spült dir die Energie-Reserven aus dem Leib, raubt die letzte mentale und physische Stärke. Mir hat das Wasser so viel Energie entzogen, sodass ich nur noch dachte: Nein, das packe ich nicht. Ich war zum ersten Mal in meinem Leben an dem Punkt angelangt, aufhören zu wollen. Ich, die noch niemals aufgegeben hat. Und alles in mir schrie: “Ich kann nicht mehr!” Mein Körper konnte nicht einmal mehr zittern, so fertig war er. Das war der Moment, in dem sich jeder gefragt hat, warum er sich das antut. Warum er nicht einfach aufgibt. Laut gesagt hat das aber niemand. Stattdessen mussten wir im kalten Wasser den schweren Baumstamm eine gefühlte Ewigkeit halten. Ich kann nicht sagen, ob es eine halbe Stunde oder eine ganze Stunde war. Nie ist die Zeit langsamer vergangen. Erschöpft, bis zum Bauch im kalten, dreckigen Wasser. Wir mussten den Baum über uns halten, haben laut vor Schmerzen geschrien, durften ihn nicht ablegen, so lange bis wir wieder aus dem Wasser rausgeholt wurden. Mit jedem Schmerz haben wir uns nur noch lauter angefeuert, unterstützt, gegenseitig motiviert. Unser Brüllen sollte die Erschöpfung wegschreien. Wir wollten auf der Gewinnerseite bleiben. Das Brüllen war wie ein letzter Strohhalm, an dem wir uns verzweifelt klammerten.

Warum tue ich mir das eigentlich an?

Der Grund, warum ich mich Anfang des Jahres zum Höllencamp angemeldet hatte, war, dass ich mal etwas machen wollte, das mich meine körperlichen und mentalen Grenzen zeigt. etwas, das mich auch über sie hinausgehen lässt. Ich wollte daran mental und psychisch wachsen. “OK, Barbora”, sagte ich mir genau in diesem Moment, “war es nicht das, was du wolltest? Dann stelle dich nicht so an, mach weiter!”
Ein Leistungssportler braucht manchmal extreme Herausforderungen, also machte ich weiter. Jeder machte weiter, jeder für sich und wir alle füreinander. Danach marschierten wir wieder mit dem Baumstamm, hinauf auf den Berg und wieder hinunter. Unten angekommen, wieder im Schlamm kriechen, klettern und uns gegenseitig ein paar hundert Meter schleifend über den Boden ziehen, als wären wir Schwerverletzte, die gerettet werden mussten.
Die Ausbilder haben uns ununterbrochen angeschrien, und obwohl wir endlos erschöpft waren, haben wir alles geschafft. Zur Belohnung gab es für jeden eine halbe Tafel Schokolade, 35 Gramm. Ich glaube, das war die beste Schokolade meines Lebens, und ich bin sicher, dass ich für den Rest meines Lebens an diesen Augenblick denke, wenn ich Schokolade esse. Wie dankbar ich dafür war. Dazu gab es einen Liter Wasser und es war befreiend, endlich so viel trinken zu können. Vor Erschöpfung schüttete jeder das Wasser in sich hinein.

Teilnehmer des Höllencamps kriechen im Schlamm

Schikanen und Strapazen, aber kein Ende in Sicht

Zurück im Lager war der Spuk noch nicht vorbei. Dachten wir zwar, war aber nicht so. Noch mehr Übungen. Kein Essen. Es war fast Abend, als wir ins Lagerzelt zurückkehrten. Wir haben die verschwitzen, verdreckten und feuchten Sachen ausgezogen, und zwei, drei Stunden ausgeruht und wurden am Abend wiedergeholt. Mein Körper schrie nach Essen. Morgens vier Kekse mit Marmelade, nachmittags eine halbe Tafel Schokolade, das reichte mir nicht. Dazu diese unglaubliche Leistung, die uns abgefordert wurde.
Nach unserer Pause ging es gnadenlos weiter: Die Aufgabe war, die Reifen, die unsere Ausbilder vom fahrenden LKW warfen, laufend einzusammeln und wieder auf den LKW zu zurückzuwerfen. Das Ganze bergauf mit Tempo. Sie warfen sie wieder runter, wieder und wieder. Das Ziel war sie wieder aufzuheben, hinterherzurennen, hochzuwerfen. Was für ein Training. Ich dachte, ich kann weder stehen, noch rennen, noch die schweren Reifen hochwerfen. Alles, was wir tagsüber machen mussten, war ein Dreck gegen diese Aufgabe. Ich war fertig, war an meine physische und mentale Grenze angekommen. Du denkst immer wieder ans Aufgeben, aber das geht nicht. Mach weiter, bis du umfällst. Das ist die Einstellung eines starken Sportlers. Aufgeben ist keine Option.

Der dritte Parcour – ich war am Ende

Danach war es immer noch nicht zu Ende. Nein! Wir sollten wieder diesen Parcour machen, zum dritten Mal. Ich hatte keine Kraft mehr, nicht zum Stehen, nicht mal zum Gehen. Mit dem ganzen Equipment, mit der Weste, den Boots, erschöpft, ohne Essen, haben wir diesen Parcour einzeln überwinden müssen. Ich war erstaunt, dass ich noch Kraft hatte zum Klettern, zum Hängen, zum Machen, ich war, wie eine gehende Leiche. Diejenigen, die mich kennen, würden sagen, ich bin durch. Aber solange mein Körper steht uns solange er nicht umfällt, ist er fähig alles zu machen. Mit Schmerzen am Knie, Erschöpfung und Hunger, habe ich es dann geschafft. Wir waren in der Grube, endlich die letzte Übung. Uns wurden die Augen verbunden, wieder in einen Bunker, es waren die letzten Psychospielchen.

Am Ende motivierte uns ein Foto – EIN FOTO!!!

Es kam eine kleine Erlösung: bevor wir mit unserem Entführer am Ziel angekommen sind, wurde von jedem Einzelnen ein Foto gemacht. Ich freue mich jetzt schon darüber, wie ich auf dem Foto aussehen werde: entkräftet, erschöpft und ich dachte mir, dass ich das auch veröffentlichen will. Ganz einfach, weil ich zu dem stehe, was ich tue. Und wenn ich im Leben jemals wieder meine Minimalenergiegrenze erreiche, seien es vielleicht 10%, 5% oder 3%, dann werde ich mich immer an dieses Bild erinnern. Ich werde daran denken, wie schwer es war, wie ich aufgeben wollte, aber dieses Ziel nicht aufgeben wollte. Es hat mich in diesem Augenblick motiviert und mich weitergebracht, weil ich eine Herausforderung gesucht hatte.

Das Ende

Selbst für einen hervorragenden Sportler ist das Höllencamp schwer zu meistern, auch für diejenigen unter ihnen, die mental und physisch sehr stark sind. Einige Teilnehmer treten schon innerhalb der ersten 24 Stunden vom Höllencamp aus, weil sie es nicht aushalten. Ich aber habe es durchgezogen, ich habe es ausgehalten und wir haben einen Pokal bekommen.
Zum Schluss konnten wir die Ausbilder auf eine normale Weise beim Grillen kennenlernen. Es war inzwischen zwei Uhr in der Nacht, keiner durfte mehr mit dem Auto nach Hause fahren. Wir waren dazu einfach nicht in der Lage. Uns wurde bis zum Aufbruch am nächsten Tag zum Schlafen wahlweise ein Lager oder der Bunker zur Verfügung gestellt. Dort gab es Schlafsäcke und Matten – was für ein Luxus. Einige konnten im nahegelegenen, 5 km entfernten Hotel eine Nacht verbringen. Dafür hatte ich mich entschieden. Diejenigen, die sich für den Bunker entschieden, hatten es nicht mehr als zwei Stunden zurück nach Hause. D. h. für sie reichte es, nur drei oder vier Stunden zu schlafen.
Für mich war das Ganze eine sehr gute Ausbildung und eine Erfahrung fürs Leben. Ich habe meine Grenzen kennengelernt, habe mich gestärkt, bin bodenständig, ich weiß was ich leisten kann, ich weiß, dass ich noch mehr kann, als ich denke. Ich werde weiter an mir arbeiten und, wie gesagt, es gibt keine Option aufzugeben, egal ob im privaten, beruflichen, oder sozialen Leben. Ich bin sehr froh und glücklich, diese Erfahrung gemacht zu haben. Mein nächstes Camp findet bereits im Juni statt. Ich danke dem gesamten Team von X-treme Survivor, dass ich diese Erfahrung machen durfte. Ich kann es wirklich allen empfehlen, allen, die eine Herausforderung suchen, die über die eigenen Grenzen gehen wollen, sich schikanieren, quälen und drillen lassen wollen.

Viel Spaß!
Eure Barbora

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